Soziale Phobien und Depressionen  

 

 

Auslöser einer sozialen Phobie - Ursachen einer Angsterkrankung

Was eine soziale Phobie ist und was sie bedeutet, konnten Sie ja schon hier nachlesen.

Aber wie entsteht eine soziale Phobie, gibt es bestimmte Auslöser oder Veranlagungen?

 

Mögliche Ursachen

Meist beginnen soziale Phobien schleichend im späten Kindesalter oder in der Pubertät. Danach können sie im gleichem Maße bestehen bleiben oder bei weiteren schlechten Erfahrungen verstärkt werden.

Warum nun der Eine eine soziale Phobie entwickelt, ein Anderer nicht, kann nicht gesichert bestimmt werden.

Eine Ursache liegt sicherlich in der Persönlichkeit des Betroffenen: Während manche Menschen Rückschläge mit Humor sehen oder als Ansporn nehmen, reagieren andere Menschen mit Verunsicherung und Selbstzweifel. Eine genetische Veranlagung ist also möglich.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Erziehung durch die Eltern und das soziale Umfeld:
Wird einem Kind viel Liebe und Sicherheit gegeben, so wird es bei Rückschlägen selbstsicherer reagieren und darüber hinwegkommen. Ein Kind, das wenig Liebe erhält und ständig kritisiert wird oder ständig das Gefühl hat, "im Weg" zu sein, wird dieses Gefühl auch auf andere Lebensbereiche projezieren und ein stark vermindertes Selbstwertgefühl entwickeln.

Das gleiche kann übrigens auch bei einer "Überfürsorge" durch die Eltern passieren. Wenn einem Kind also nicht die Möglichkeit gegeben wird, Fehler und negative Erfahrungen zu machen, lernt es nicht, damit umzugehen und kann, sobald es das schützende Umfeld des Elternhauses verläßt, unter dieser Last zusammenbrechen.

Ein gesundes Mittelmaß zwischen behüten und fordern ist bei der Erziehung also wichtig.

In Untersuchungen wurden die Erziehungsstile von Eltern von Sozialphobikern und Nichtphobikern miteinander verglichen.

Diese Untersuchung ergab, daß bei Sozialphobikern das Elternhaus wenig unterstützend wirkte, oft verletzend war oder anderseits überfürsorglich. Ein selbstsicheres und unabhängiges Verhalten konnte sich dort nicht herausbilden, die ursprüngliche Angst vor Fremden wurde nie beseitigt.

Auffallend war auch, daß nie eine volle Akzeptanz ohne eine Leistung da war. Liebe gab es also immer nur mit Gegenleistung.

Kommunikative Eltern, die zu gleichen Teilen auf die Kinder zugingen, fand man nur in 3% der Fälle.

Ein soziales Stigmata entstand, wenn die Kinder eine Schule besuchten, die sehr stark vom Elternmilieu abwich oder Volksgruppen angehörten, die Außenseiter sind oder als solche gelten.

In einigen Fällen waren die Eltern auffällig, seelisch oder körperlich.


Als einen weiteren Auslöser sozialer Phobien dürften auch traumatische Erlebnisse sein.
Beispiel: Der kleine Franz hat in der Schule Schwimmunterricht. Beim beherzten Sprung ins Wasser rutscht ihm die Badehose herunter. Die Mädchen seiner Klasse bemerken das und kichern. Danach wird er immer wieder damit aufgezogen, noch lange Zeit danach. Franz ist das sehr peinlich...

Als Erwachsener hat der große Franz Schwierigkeiten damit, sich vor anderen auszuziehen, fühlt sich häßlich und findet keine Freundin...

Ängste infolge sozialer Defizite
Kann ein junger Mensch nicht lernen, soziale Kontakte zu knüpfen und zu halten, kann dies soziale Phobien ebenfalls fördern.
Erlebt ein Kind zum Beispiel, daß andere sich ständig lustig machen, abweisend sind, ein Kind keine Freunde findet oder Freunde oft verliert, kann es passieren, daß es sich minderwertig vorkommt.

Gleiches kann passieren, wenn ein Elternteil aufgrund einer Trennung den Haushalt verläßt und sich nicht mehr um das Kind kümmert oder wenn zum Beispiel Kinder ständig "abgeschoben" werden, weil Mutti und Vati immer etwas wichtigeres zu tun haben, zum Beispiel arbeiten.

Es besteht die Möglichkeit, daß diese Kinder später als Erwachsene nie ein "Urvertrauen" zu jemanden aufbauen können und sich minderwertig fühlen. Oft reagieren sie in bestimmten Situationen übertrieben oder unangemessen, entschuldigen sich ständig, sind oft still und reden wenig, manche wiederum reden zu viel, vermeiden Blickkontakt, sind schwer "greifbar", werden scheinbar aggressiv, wenn man sich ihnen zu weit nähert.

Der Sinn dieser Reaktionen liegt in der Vermeidung von zu viel Nähe und Aufmerksamkeit, da eine Angst vor einer weiteren Kränkung oder einem weiteren Verlust besteht. Die Betroffenen bleiben lieber alleine, so besteht keine Gefahr des Verlustes.

Soziale Ängste durch gesellschaftlich vermittelte Einstellungen und Normen

Also, mal so als Beispiel, der kleine Ali ist der einzige türkische Junge in einer ansonsten deutschen Klasse. Angenommen, einige Kinder machen ihn ständig schlecht und machen sich über ihn lustig. Tagein, tagaus... Was wird wohl passieren, wenn er nicht (hoffentlich) ein starkes soziales Umfeld hat und Freunde, die ihn akzeptieren? Wenn er Pech hat, entwickelt er ein negatives Selbstwertgefühl und ist immer gehemmt, wenn er unter Menschen gehen muß.

Angenommen, die kleine Frieda ist die Einzige, die arbeitslose Eltern hat, und sie wird ständig gehänselt, weil ihre "Freundinnen" immer das neueste Spielzeug haben, weil deren Eltern gut verdienende Menschen sind, die ja sooo fleißig sind. Unter ungünstigen Umständen "lernt" die kleine Frieda, daß sie und ihre Eltern minderwertig sind.

Gesellschaftliche Einstellungen und Normen, wie zum Beispiel die vermeintliche Tatsache, daß arbeitslose Menschen immer faul sind und überhaupt nur der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, oder daß zum Beispiel junge Mädchen immer einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen müssen, können es labilen Menschen sehr schwer machen. Bekommen sie ständig das Gefühl vermittelt, Außenseiter zu sein, kann eine Phobie entstehen. Solche Einstellungen und Normen gibt es leider viele...

 

Die Folge

Sozial-Phobiker sind oft verhalten, sind oft introvertiert, zeigen wenig Gefühle, wirken oft kalt, vertragen meist keine Kritik, sind oft unflexibel in sozialen Situationen, haben oft wenige Freunde und Bekannte und können sich meist schlecht in Gruppen einfügen.

Im Gespräch erwarten sie oft negatives, verfolgen deswegen das Gespräch aus einem anderen Blickwinkel und sind oft verkrampft. Kommt dann wirklich etwas negatives auf sie zu, so brennt sich dies geradezu in das Gedächtnis ein und verschlimmert die Lage des Betroffenen noch weiter.

Problematisch ist, dass eine Vielzahl der Betroffenen erst zum Arzt gehen, wenn sich ihre Symptome so sehr verschlimmert haben, dass es z.B. zu massiven Problemen im Berufsleben kommt.

Die Wahrscheinlichkeit, daß man im Laufe des Lebens eine soziale Phobie entwickelt, liegt bei ca. 15-20%.
Da jedoch die Ausprägung der einzelnen Symptome von leicht bis schwer recht schwammig ist, spricht man von ca. 3-5% der Bevölkerung, die an einer solchen Erkrankung leiden, die dann auch behandelt werden sollte.

 

 

 

   

 

 

 

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